Kürzlich traf ich eine Bekannte im Park. Sie ging mit ihrem Hund spazieren. Rocky –so hieß der irische Setter- lief an langer Leine bald hierhin bald dorthin, meine Bekannte trottete gutmütig hinterher. Der Hund witterte mich, sprang auf mich zu und zog sie mit. Beide begrüßten mich stürmisch und da wir uns länger nicht gesehen hatten, gab es einiges zu erzählen. Frauchen legte auch munter los, was Rocky gar nicht gefiel. Zunächst wickelte er seine Besitzerin in die Leine ein, indem er um sie herumlief. Als das nichts half, begann er mit Macht zu ziehen. Meine Bekannte kam ins Schwanken, verabschiedete sich eilig und folgte lachend dem Hund, der witternd auf ein Gebüsch zulief. Ich blieb ratlos zurück. Eigentlich hätte ich sie gern auf einen Kaffee eingeladen und in Ruhe über alte Zeiten geplaudert, schade.

Hier muss einiges schief gegangen sein, als Rocky im Welpenalter an die Leine gewöhnt wurde. Aber eine gute Leinenführigkeit kommt eben nicht von allein und sie verrät viel über das Verhältnis zwischen Hund und Besitzer. Mit der richtigen inneren Einstellung, Konsequenz und Trainingsmethode kannst Du aber bei jedem Hund gute Erfolge erzielen und arbeitest aktiv an einer vertrauensvollen Beziehung zu Deinem Hund.

Gute Leinenführigkeit – was ist das?

Hund an der Leine

Was unter Leinenführigkeit verstanden wird, ist davon abhängig, welchen Anspruch wir an die Situation stellen. In der Prüfung ist das Laufen des Hundes in korrekter Gehposition neben dem Bein bei kurzer, durchhängender Leine gemeint, wobei die Aufmerksamkeit beim Besitzer liegt und Richtungswechsel schnell und zuverlässig mitvollzogen werden. Auf Kommando sollte dies jeder Hund beherrschen. Hier geht es um das sichere Meistern schwieriger Situationen, z.B. beim Passieren von Gefahrenquellen. Das können Gefahrenquellen sein, die den Hund reizen. Oder er möchte unkontrolliert entgegenkommende Menschen oder Hunde begrüßen, seinem Jagdinstinkt folgen oder schlicht seiner Neugier, was nicht in jeder Situation angemessen und sicher ist.

Natürlich, im Alltag muss es auch Phasen geben, in denen der Hund trotz Leine seinem Entdeckungsdrang nachgeben darf. Auf Kommando sollte er aber das lockere und zuverlässige Laufen an der Leine beherrschen und niemals selbst den Modus bestimmen, sonst wird er sich unsicher fühlen und die Beziehung zu Dir als seiner Bezugsperson leidet darunter. Du bist der, der Sicherheit ausstrahlt und ihm die Richtung vorgibt, nicht er. Das geht aber nicht ohne ein sicheres Gespür für die Bedürfnisse, die Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit Deines Hundes. Trainingsziele lassen sich nur mit ihm, nicht gegen ihn erreichen und ohne eine konsequente und selbstsichere Einstellung strahlen wir nicht die nötige Sicherheit und Authentizität aus, um seine Talente zu fördern ohne ihn zu über- oder unterfordern. Die richtige Grundhaltung in sich selbst zu entwickeln und ein gesichertes Wissen über die passende Methodik, das optimale Timing, den bewussten Einsatz von Körpersprache und Stimme aufzubauen ist das A und O in der Hundeerziehung.

Auf die richtige Leine kommt es an

Leinenführigkeit trainieren

Zunächst einmal muss uns klar sein, das Führen eines Hundes an der Leine hat nichts mit seinen Bedürfnissen oder Interessen zu tun, sondern ergibt sich aus den Anforderungen, die der städtisch geprägte Alltag mit sich bringt. Für einen Hund wird die Leine als Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit wahrgenommen. Ist das Halsband zu schmal oder zu stramm, hat er unangenehme Empfindungen im Halsbereich, die Kehle kann sich zuschnüren. Im Handel angeboten werden darüber hinaus alle möglichen Produkte, die diesen Effekt noch verstärken vom Metallhalsband mit Krallen bis hin zu Würgebändern, die bei ziehenden Hunden Schmerzen und somit eine Verhaltensänderung herbeiführen sollen, dabei aber oft das Gegenteil oder schlimmer – ein aggressives Hundeverhalten bewirken und die Leinentoleranz verschlechtern. Im Gegensatz dazu kann eine sich selbst ausrollende und zusammenziehende Lang- oder Rollleine falsche Signale in die andere Richtung verstärken. Der Hund lernt, dass Bewegungsfreiheit über das Ziehen zu erreichen ist und lässt sich kaum mehr von einem angemessenen Leinenverhalten überzeugen, weil er nicht gelernt hat, dass sich das lohnt. Für das Anfangstraining sollte man also ein möglichst breites, weiches Hundehalsband oder –gerade bei ziehenden Hunden- ein Geschirr verwenden, um den unangenehmen Druck auf den Hals zu minimieren. Die Leine sollte fest und nicht länger als 1-1,5 Meter lang sein, damit der Hund sie als Begrenzung erkennt.

Phase eins: Dein Hund lernt die Leine lieben

Am Anfang solltest Du in reizarmer, vertrauter Umgebung Deinen Hund an das Tragen des Halsbandes und der Leine gewöhnen. Du kannst das Angeleint sein positiv verstärken, indem du möglichst oft schöne Aktivitäten wie Füttern oder Schmusen bei angelegter Leine ausführst.

Die ersten Schritte können im Wohnzimmer oder im Flur ausgeführt werden. Läuft der Hund bei durchhängender Leine aufmerksam neben Dir, dann lobe ihn für das gute Verhalten. Zieht er in eine andere Richtung, bleibe sofort stehen und ignoriere ihn. Er lernt so schnell, welches Verhalten mit Aufmerksamkeit belohnt wird und welches er lassen sollte.

Phase zwei: Konsequent Anleitung, Signal und Feedback geben

Im zweiten Schritt kannst du auch schon ein Signalwort wie „Leine“ oder „parat“ oder auch ein bestimmtes Geräusch für das korrekte an der Leine Gehen einführen. Achte dabei darauf, immer das gleiche Signal zu verwenden, damit der Hund weiß, woran er ist. Klappt das entspannte Leinengehen, ist auch hier das Loben wichtig, um das Signalwort mit dem gewünschten Verhalten zu verknüpfen. Gerade bei einem Welpen solltest du die Trainingszeit nicht zu lange gestalten, da er sich nicht so lange konzentrieren kann. Es kostet ein wenig Geduld, Konsequenz und Zeit, aber die Mühe lohnt sich.

Phase drei: Trainingseinheiten gut dosiert und mit Augenmaß

Klappt das an der Leine Gehen zuhause gut, kann der nächste Schritt der Garten oder ein ruhiger, bekannter Weg sein, der wenig Ablenkung bietet. Wichtig ist auch hier, konsequent stehen zu bleiben, wenn der Hund an der Leine zieht. Bei Welpen gibt es manchmal das Problem, dass sie ungern außer Haus mitlaufen. Dies liegt vermutlich an einem Schutzinstinkt der wölfischen Vorfahren, die zunächst lieber in der Nähe ihrer Höhle bleiben, um bei Gefahr dorthin fliehen zu können. Nimm den kleinen Kerl auf den Arm und trage ihn ein Stück oder fahre mit dem Auto zu einem weiter weg gelegenen Spazierweg, aber versuche nicht, ihn voranzuziehen, denn so verleidest du ihm die Leine. Mit zunehmendem Alter wird sich dieses Verhalten ohnehin auswachsen. Ein Welpe muss auch Gelegenheit zum Erkunden an der Leine haben. Dafür sollte man eine längere Leine verwenden und dem Hund mehr Spielraum lassen. Zwischendrin solltest Du aber immer wieder kleine Übungssequenzen einbauen. Wenn Du merkst, dass Dein kleiner Freund unaufmerksam oder müde wird, ist es besser, das Training abzubrechen und zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder aufzunehmen.

Öfter mal die Richtung wechseln – So wird Dein Hund aufmerksam

Für den Hund ist das Laufen an der Leine anstrengend, da es viel Konzentration und Selbstbeherrschung abverlangt. Ein Welpe sollte zu Beginn damit nicht überfordert werden. Du solltest ihm aber doch durch Abwenden und bewusstes Ignorieren deutlich machen, dass du bockiges Verhalten, ziehen oder in die Leine beißen ablehnst, aufmerksames, lockeres Laufen an der Leine aber für lobenswert hältst. Durch häufige, Kommando geleitete Richtungs- und Tempowechsel oder abwechslungsreiche Wegstrecken im Slalom oder über Baumstämme zum Beispiel kannst du das aufmerksame an der Leine Gehen Deines Hundes spielerisch einüben und hast auch selbst Spaß dabei.

Häufige Richtungswechsel können darüber hinaus helfen, die Aufmerksamkeit des Hundes an der Leine zu erhöhen. Dabei solltest Du die Leine kurz nehmen 1,5-2Meter reichen aus und am äußersten Ende festhalten. Sobald der Hund ¾ der Leine ausgenutzt hat, änderst du abrupt die Richtung, so dass der Hund in die Leine läuft, wenn er nicht rechtzeitig reagiert. Das klappt auch bei älteren Hunden gut, wenn man die Grundlagen beherzigt.

  1. Konsequent und selbstsicher entscheiden, nicht den Hund entscheiden lassen.
  2. Nie in die Richtung laufen, in die der Hund zieht.
  3. Für jedes Verhalten die passende Anleitung und das passende Feedback geben.
  4. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen fordern und fördern finden und den Bedürfnissen des Hundes gerecht bleiben.

Wenn ein ziehender Hund merkt, dass er mit seinem Verhalten das Gegenteil erreicht, wird er sein Verhalten ändern, wenn er weiß, was von ihm erwartet wird. Dazu sind kein Schmerz und keine unangenehmen Erfahrungen nötig. Hat ein Hund aber das Gefühl, sein Ziehen bringt ihn weiter, weil Du darauf eingehst und ihm die Führung überlässt, wird er lernen, dass Ziehen erfolgreich ist und stellt es nicht ab. Wird gute Leinenführigkeit im doppelten Sinne durch Weitergehen und Lob belohnt, wird auch ein älterer Hund irgendwann das gewünschte Verhalten zeigen.

Schwierige Situationen gelassen meistern

hund an leine gewöhnen

Genauso kleinschrittig sollte man schwierige Situationen angehen. Zum Beispiel ist das plötzliche Ziehen beim sich Nähern eines anderen Hundes oder einer Person oft problematisch. Auch dies kannst Du Deinem Hund leicht abtrainieren, indem du dich nicht bewegst – das nennt man auch die „Be-a-tree“-Methode oder in einem großen Bogen um die sich nähernde Gruppe herumgehst. Sprich mit deinem Hund, um die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken und gebe das passende Kommando. Folgt dein Hund dir, lobe ihn, auch ein Leckerli kann hier mal angebracht sein. Ist dieses Verhalten erstmal gesichert, kannst Du den Kontakt mit einem Hund nach Kommando erlauben. Dazu sprichst Du dich am besten mit einem befreundeten Hundebesitzer ab und ihr trainiert gemeinsam. Zunächst sollte der Hund bei seinem Herrn sitzen und Du übst, dass Dein Hund bei dir bleibt und nicht an der Leine zieht. Lenke dabei die Aufmerksamkeit auf dich, sprich mit ihm und lobe ihn, wenn er ruhig bei dir bleibt. Klappt das soweit gut, kannst Du ihm mit einem Signal die Erlaubnis geben, Kontakt mit dem befreundeten Hund aufzunehmen. So bleibt die Kontaktaufnahme in Deiner Hand und du behältst die Kontrolle über solche Situationen. Gleichzeitig verbesserst du so die Beziehung zu deinem Hund und schaffst Vertrauen. Zerren, ziehen, reißen oder gar schlagen mit der Leine bewirkt genau das Gegenteil von dem, was Du erreichen möchtest. Ruhe, Aufmerksamkeit, Sicherheit und Fürsorge auszustrahlen, gibt Deinem Hund mehr Sicherheit und Souveränität. Dies sollte sich auch in deiner Stimme und Körperhaltung widerspiegeln. Vermeide ruckartige Bewegungen und behalte die Ellbogen immer am Körper. Sprich gelassen und entspannt mit Deinem Hund. Verwende eindeutige Signalwörter und Gesten. Gib ihm das Gefühl, dass Du ebenso aufmerksam auf ihn siehst, wie du es von ihm erwartest, dann wird er vertrauen zu Dir aufbauen und ein treuer Gefährte werden.

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