Der Begriff Gelbbacke bezeichnet keine konkrete Hunderasse, sondern einen Schlag altdeutscher Hütehunde. Dies ist eine Gruppe innerhalb einer Rasse, die sich in einigen typische Merkmalen wie beispielsweise der Größe, Farbe oder Fellzeichnung von den übrigen Vertretern ihrer Rasse unterscheiden.

Allgemeines zur Gelbbacke und altdeutschen Hütehunden

altdeutscher hütehund

Altdeutsche Hütehunde, wie die Gelbbacke, sind vom Aussterben bedrohte deutsche Hütehundschläge. Diese verfügen über unterschiedliche optische Eigenschaften wie zum Beispiel der Fellfarbe und der Länge des Fells und verschiedene charakterliche Merkmale. Gehalten wurden sie hauptsächlich von deutschen Schäfern als Hunde zum Hüten von Schaf- oder Kuhherden und verbreiteten sich später im Mittelalter durch die Wanderschäferei in ganz Europa. Da vor allem die Leistungsfähigkeit und Verwendbarkeit bei diesen Hunden im Vordergrund steht, verfügen die einzelnen Schläge über ein sehr unterschiedliches Aussehen und charakterliche Eigenschaften. Auch deshalb wird der Begriff der Rasse abgelehnt.

Im Allgemeinen sind altdeutsche Hütehunde von mittlerer Größe. Sie verfügen über ein wetterabweisendes Fell, sind sehr robust, schnell, wendig und ausdauernd. Charakterlich sind sie arbeitswillig, draufgängerisch, temperamentvoll und selbstbewusst. Der Charakter wird im Abschnitt „Charakter und Wesen“ genauer beschrieben. Auch auf die Eignung der Gelbbacken als Familienhunde wird dort eingegangen.

Die altdeutschen Hütehunde werden durch folgendes Schema in die verschiedenen Schläge unterteilt: In der ersten Ebene wird zwischen der Art des behüteten Viehs unterschieden. Es gibt Kuh- und Schafhunde. Weiter unterteilt wird dann nach der Verbreitung und dem Aussehen. Man unterscheidet hierbei bei den Kuhhunden in den Westerwälder und den Siegerländer. Bei den Schafhunden unterscheidet man in den Süddeutschen Typ, den Ost- bzw. Mitteldeutschen Typ und den Zotthaarigen Typ. Auf dritter Ebene wird dann zwischen den Farbschlägen unterschieden. Beim Süddeutschen Typ gibt es die Süddeutschen Gelbbacken, Schwarze und Tiger. Beim Ost- bzw. Mitteldeutschen Typ wird weiter in Ost- bzw. Mitteldeutsche Gelbbacken, Schwarze und Füchse unterteilt, wobei der Harzer Fuchs eine weitere Unterkategorie darstellt.

Zotthaarige Typen sind der Strobel und der Schafpudel. Auch im Schlag des zotthaarigen Typs, der durch zottiges, besonders wetterabweisendes Fell ausgezeichnet ist, gibt es sowohl gelbbackige, als auch schwarze und getigerte Tiere.

Aussehen der Gelbbacke

aussehen der gelbbacke

Die drei Farbschläge der altdeutschen Hütehunde, also Gelbbacken, Füchse und Schwarze dürfen miteinander gepaart werden. Dadurch können unterschiedliche Fellfarben innerhalb des gleichen Wurfs auftreten. Das Aussehen der Gelbbacke ist darüber hinaus vom Typ abhängig. Man unterscheidet in den Süddeutschen und den Ost- bzw. Mitteldeutschen Typ.

Gemeinsame Merkmale beider Arten sind eine Widerristhöhe zwischen 55 und 60 Zentimetern und ein dunkelbraunes oder schwarzes Langstockfell. Es gibt aber auch stockhaarige und rauhaarige Vertreter. Namensgebend sind die loh- oder gelbfarbenen Fellfärbungen an den Läufen, um den Fang und über den Augen. Das Gewicht ist zur Größe passend sehr unterschiedlich. Gelbbacken sind allerdings keinesfalls massig. Je nach Typ kann das äußere Erscheinungsbild stark variieren.

Außerdem gibt es Gelbbacken, die optisch an den Strobel, einen der weiteren Schläge der deutschen Hütehunde, erinnern. Dieser verfügt über ein zotthaariges, welliges, langes und sich rau anfühlendes Fell. In jedem der Schläge sind Hunde mit einer angeborenen Stummelrute vertreten, die sogenannten Stumper. Gelbbacken sind sehr robuste Hunde. Auch ihr Fell zeichnet sich durch seine Doppelschicht und eine weiche Unterwolle aus. Hierdurch wird das Fell besonders wetterabweisend. An der Brust und an den Läufen ist das Fell länger und dichter als am restlichen Körper.

Süddeutsche, Ost- und Mitteldeutsche Gelbbacke

Hunde des Süddeutschen Typs der Gelbbacke sind optisch sehr verschieden. Sie sind meist dunkelbraun oder schwarz mit gelben oder hellbraunen Färbungen an der Brust und im Kopfbereich. Statt Stehohren haben sie manchmal auch Kippohren.

Die Hunde der Ost- und Mitteldeutschen Schläge der Gelbbacke haben ein schwarzes Langstockhaarfell und auffällige rote, braune oder gelbe Zeichnungen an den Läufen, um den Fang und über den Augen. Sie sind eher schlank, gut proportioniert und feingliedriger als Hunde des Süddeutschen Typs. Ihr Kopf ist trocken, der Schädel nicht zu breit und das Hinterhauptbein ist ausgeprägt. Die Ohren sind mittelgroß, liegen nicht zu eng beieinander und sind meistens Stehohren. Allerdings sind auch hier Kippohren möglich. Die Nase ist schwarz, die Lefzen dunkel pigmentiert. Die Augen sind groß und mandelförmig bis rund. Der Schwanz ist lang, sanft geschwungen und dicht behaart.

Charakter und Wesen

altdeutscher Hütehunde

Als ein guter Hütehund muss die Gelbbacke entspannt warten, schnell agieren und ausdauernd laufen können. Er muss stets die Herde im Auge behalten, alles im Griff haben und Probleme selbständig erkennen und lösen. Ein Schaf das aus der Reihe tanzt, muss er zur Herde zurücktreiben, notfalls aber auch durch das Packen im Nacken zurücktragen. Dabei darf er das Tier aber keinesfalls verletzen.

Gelbbacken sind sehr arbeitswillige, aufmerksame und eigenständige Hunde. Zudem sind sie für ihr Durchsetzungsvermögen, ihre Wachsamkeit und ihre hohe Leistungsfähigkeit bekannt. Somit eignen sie sich perfekt als Hütehunde besonders für große Herden ab etwa 300 Tieren. Bei ihrer Arbeit sind sie sehr energisch. Dennoch sind sie für einen nichtverletzenden Umgang mit dem gehüteten Vieh bekannt.
Aufgrund ihres ehrlichen und treuen Wesens sind Gelbbacken von Schäfern sehr geschätzt.
Jedoch wird kein Hütehund als solcher geboren. Eine lange und intensive Ausbildung zählt zu den genetischen Veranlagungen wie dem Scharfsinn oder dem Griff.

Die Gelbbacke als Familienhund

Falls der Hund als reiner Familienhund gehalten wird, sind all diese charakterlichen Merkmale sowie seine ursprüngliche Verwendung zu berücksichtigen. Gelbbacken brauchen viel Auslauf und eine klare Tagesstruktur. Sie müssen sowohl geistig, als auch körperlich ständig gefordert werden.

Trotz einer Haltung als Familienhund muss bedacht werden, dass die Gelbbacke ein Hütehund ist und somit über einen ausgeprägten Hütetrieb verfügt. Dieser kann in einigen Situationen auch ein Problem darstellen, weshalb diese Hunde definitiv keine Anfängerhunde sind. In erfahrenen Händen sind sie jedoch sehr agil, freundlich und unternehmenslustig.

Generell lässt sich also sagen: Gelbbacken sind Hütehunde, keine Kuscheltiere. Wer auf der Suche nach einem einfach zu handhabenden, verschmusten Familienhund ist, sollte besser auf Rassen wie beispielsweise Golden Retriever oder Labradore zurückgreifen, oder in unserer Auflistung von Rassen als Familienhunde für Anfänger nachsehen.

Erziehung

Die Zucht altdeutscher Hütehunde und somit auch die der Gelbbacken ist aufgrund der Gefährdung der Art streng überwacht. Die „Arbeitsgemeinschaft zur Zucht altdeutscher Hütehunde“ (AAH) stellt einen Zusammenschluss von Schäfern und Privatleuten dar, der die Zucht und Erhaltung der verschiedenen Schläge fördert. Eine Zuchtzulassung wird erst nach einer bestandenen Zuchttauglichkeitsprüfung oder einer Herdengebrauchshundeprüfung erteilt. Auch Privatleute können ihre Hunde dort vorstellen und ausbilden lassen.

Eine Gelbbacke kann man sowohl im Tierheim, als auch direkt von einem Züchter erhalten. Im Tierheim sind die Tiere jedoch meist schon älter, haben eine unbekannte Vergangenheit und oft auch Angewohnheiten, die nicht mehr so leicht abzutrainieren sind. Sie sind jedoch schon gegen eine geringe Schutzgebühr von meist wenigen hundert Euro erhältlich. Da viele Tiere dort schon lange auf ein Zuhause warten, ist auch das Tierheim unbedingt in die Suche mit einzubeziehen.

Welpen der Gelbbacke kaufen

Direkt vom Züchter und mit AAH-Papieren sind Gelbbacken  teurer. Die Welpen müssen oft schon vor dem Wurf reserviert werden. Die Vermittlung erfolgt unter anderem über verschiedene Foren im Internet. Beim Kauf eines Welpen sollte man sich im Voraus über das Wesen, das Aussehen und eventuelle Krankheiten der Elterntiere informieren.

Vorsicht ist zudem bei Angeboten von Welpen der Gelbbacke im Internet geboten. Vor allem Inserate aus dem Ausland stehen häufig mit illegalem Welpenhandel in Verbindung. Diese Händler bieten eine große Anzahl an (Mode-)Hunderassen auf verschiedenen Portalen an.
Die Angebote sind besonders günstig, jedoch sind die Welpen oft todkrank und sterben schon nach wenigen Tagen. Dieser Welpenhandel geschieht immer auf Kosten der Welpen und Elterntiere. Die Welpen sind viel zu früh von ihrer Mutter getrennt, wodurch keine Sozialisierung und Prägung stattfinden kann. Dies führt zu Verhaltensauffälligkeiten im Erwachsenenalter. Ebenso fehlen in vielen Fällen lebenswichtige Impfungen und eine Wurmkur, sowie ein Mikrochip.

Die Muttertiere gelten als „Gebärmaschinen“, den Rüden werden oftmals Hormone gespritzt. Auch die Haltung ist nur selten artgerecht. Aus diesem Grund sollte man bei einem Kauf eines Welpen im Internet darauf achten, dass es sich um einen seriösen Züchter handelt. Empfehlenswert ist vor dem Kauf auch ein Besuch vor Ort.

Gesundheit

Es gibt, unabhängig von der Rasse des Hundes, einige Impfungen, die empfehlenswert sind und deshalb auch bei der Gelbbacke durchgeführt werden sollten. Hierzu zählen die Impfungen gegen Staupe, Hepatitis, Leptospirose, Parvovirose und Tollwut. Dies sind alles hochansteckende bakterielle oder virale Erkrankungen, die häufig durch Wildtiere (zum Beispiel bei Spaziergängen im Wald) übertragen werden und in nicht all zu selten Fällen zum Tod des Haustiers führen. Weitere Wahlimpfungen sind beispielsweise die gegen Borreliose und Zwingerhusten. Auch eine regelmäßige Wurmkur sollte durchgeführt werden. Die Häufigkeit der Entwurmung ist von dem Risiko abhängig, dem der Hund gegenüber Wurmbefall ausgesetzt ist. Bei einem normalen Risiko ist eine Wurmkur mindestens viermal im Jahr zu empfehlen.

Die Diagnostik einer Hüftdysplasie erfolgt über eine Untersuchung mit Röntgenstrahlung. Symptome sind ein Nachziehen der hinteren Läufe, ein Überkreuzen der Hintergliedmaße beim Traben und ein mühsames Aufstehen. Besonders große Hunde wie die Gelbbacke sind betroffen. Die Krankheit beginnt mit einer akuten Phase bei Hunden im Alter von fünf bis acht Monaten. In dieser Phase zeigt das Tier plötzlich deutliche Symptome. Diese verschwinden meist in einem Alter von acht bis elf Monaten wieder und der Hund ist zunächst symptomfrei.

Ab einem Alter von rund anderthalb Jahren beginnen die Symptome dann wieder und durch den Rückgang des Knorpelgewebes im Gelenk fangen die Knochen an, aneinander zu reiben.

Leider ist eine Hüftdysplasie nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene operative und konservative Methoden, die dabei helfen, den Schmerz zu lindern und somit die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.

Lebenserwartung der Gelbbacke

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Gelbbacken beträgt 12 Jahre.
Eine Krankheit, für die altdeutsche Hütehunde im Allgemeinen recht anfällig sind ist die Hüftdysplasie. Das ist eine der häufigsten Erbkrankheiten bei Hunden, weshalb auch hier auf Vorerkrankungen der Elterntiere geachtet werden sollte. Eine Hüftdysplasie ist eine Fehlbildung des Hüftgelenks beim Hund.

Der Oberschenkelkopf und die Hüftgelenkspfanne sind hierbei schlecht aufeinander abgestimmt geformt und passen somit nicht gut ineinander. Dadurch kann es zur Subluxation durch ein zu lockeres Band kommen. Hierbei wird das Gelenk meist unvollständig ausgerenkt. Durch Fehlbelastung des Gelenks kommt es dann mit der Zeit zu Entzündungen bis hin zur Arthrose. Begünstigt wird diese Krankheit durch fehlerhafte Ernährung und eine schlechte Versorgung mit Mineralstoffen.

Ernährung

Viele Krankheiten sind auch ernährungsbedingt, weshalb eine ausgewogene und gut auf die Gelbbacke abgestimmte Ernährung sehr wichtig ist. Dosen- und Fertigfutter enthält häufig aufgrund des hohen erhitzens bei der Produktion nicht mehr ausreichend Nähr- und Vitalstoffe. Zusätzlich schaden Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Salz, Zucker oder Farbstoffe dem Tier. Deshalb ist frisches Fleisch, Obst oder Gemüse mit in den Ernährungsplan mit einzubeziehen. Geflügel sollte man jedoch keinesfalls täglich füttern, da es viele entzündungsfördernde Omega 6 Fettsäuren enthält. Beim Barfen, also beim Füttern mit rohem Fleisch, muss man beachten, dass dieses oft Keime enthält. Hunde, die gebarft werden, haben häufig einen Mangel an Jod, Zink, Mangan und Vitamin D.

Beim Füttern von Trockenfutter sollte man beachten, dass dieses kein genetisch manipuliertes Getreide enthält. Dies ist häufig bei besonders billigem Futter der Fall. Genetisch manipuliertes Getreide ist voller Pestizide, Herbizide, Schwermetalle und weiteren Schadstoffen, die unter anderem das Wachstum von Lipomen fördern.

Gelbbacken sollte man zweimal täglich füttern, da sie, wie alle großen Hunde, sonst zu Magenverdrehungen neigen. Nach der Fütterung sollte der Hund etwa eine bis zwei Stunden ruhen. Zudem sollte man ständig darauf achten, dass die Gelbbacke genug trinkt. Ein Trinkvolumen bis maximal 100 ml pro einem Kilogramm Körpergewicht ist normal.

Herkunft der Gelbbacke

Die Gelbbacke ist ein deutscher Hund, dessen Herkunft sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. Durch Wanderschäferei verteilten sich die verschiedenen Schläge später in ganz Europa. Während sich im Westen Deutschlands vor allem der deutsche Schäferhund durchsetzt, zählt die Gelbbacke in Ost- und Mitteldeutschland zu den am weitesten verbreiteten deutschen Hütehunden.

Wie bereits erwähnt, werden die altdeutschen Hütehunde auch nach ihrer Herkunft unterteilt. Im Schlag der Gelbbacke unterscheidet man zwischen dem Süddeutschen und dem Mittel- bzw. Ostdeutschen Typ.

Durch den Rückgang der Schäferei sank mit der Zeit auch der Bedarf an Hütehunden immer weiter. Dadurch wurde auch die Gelbbacke immer weniger gezüchtet. Mittlerweile ist sie sehr selten und vom Aussterben bedroht. Auf der roten Liste der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) wird sie den gefährdeten Arten der Kategorie III zugeordnet. Arten der Kategorie III gelten als „gefährdet“. Des Weiteren gibt es die Kategorien I („extrem gefährdet“), zu der der Westerwälder Kuhhund mit nur noch 30 – 40 reinrassigen Hunden gehört, und II („stark gefährdet“), der der Schafpudel zugeordnet wird.